InterLit
Die Reihe und ihr Konzept
Dass Geschlecht eine kulturelle Konstruktion ist, ist längst Ausgangspunkt unterschiedlicher Forschungsfelder, insbesondere in den Geisteswissenschaften. Gleichwohl halten sich naturalisierte Vorstellungen über das, was Frauen oder Männer sind. Und mehr noch, ihre Protagonisten negieren sämtliche Grauzonen, Übergänge, Abweichungen und Unsicherheiten, versuchen sie gelegentlich sogar zu ahnden oder zu tilgen.
Literatur hat bei den gesellschaftlichen Aushandlungen von dem, was Geschlecht ist, sein soll oder kann, eine Schlüsselrolle, was in der grundsätzlichen Funktion von Literatur als Reflexionsmedium gesellschaftlicher Diskurse und Praktiken begründet ist.
Die Studien, die in der Reihe InterLit erscheinen, widmen sich intensiv diesem Thema, bevorzugt in der deutschsprachigen Literatur. Damit untersucht und begleitet die Reihe InterLit den Wandel des Verständnisses von Geschlecht und seiner Umsetzung in den medialen und kulturellen Bearbeitungen ihrer Zeit. Das Konzept der Reihe ist bewusst auf eine breite Diskussion von Ansätzen im Forschungsfeld „Geschlecht und Literatur“ angelegt, um die Produktivität der Forschung angemessen aufnehmen zu können.
Zu den Ursprüngen und zur Geschichte der Reihe InterLit
Gegründet wurde die Reihe 1999 als Spin-off der „Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland 1945ff“ (seit 2012 „Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008“). Als Reaktion auf die Vernachlässigung und Ausblendung von Frauen in und aus der Literaturgeschichtsschreibung hatte die Bremer Bibliothekarin Marion Schulz im Jahre 1983 begonnen, Daten zur deutschsprachigen Literatur von Frauen und zur Biografie von Autorinnen und Übersetzerinnen für die Zeit nach 1945 systematisch zu sammeln und – ein Novum zu dieser Zeit – in einer Datenbank zugänglich zu machen. Ihre Arbeit konnte kein Ein-Frau-Projekt bleiben. So wurde 1986 der gemeinnützige Verein „Stiftung Frauen Literatur Forschung“ gegründet. Mit seiner Hilfe wurden Gelder für die Arbeit der das Projekt unterstützenden Frauen akquiriert, die als ABM-Kräfte, Ein-Euro-Joberinnen oder Praktikantinnen mit großem Engagement an dem stetig wachsenden Projekt mitwirkten, und gleichzeitig die Vernetzung mit der Wissenschaft vorangetrieben, die bald in eine enge Zusammenarbeit mit der Universität Bremen mündete.
1999 weitete der Verein seine Aktivitäten aus und gründete eine eigene Buchreihe mit dem Titel InterLit, die vor allem Titel publizierte, deren Gegenstand mit dem Thema der Datenbank verbunden war. Nachdem Marion Schulz im Jahre 2014 mit dem Eintritt in den Ruhestand das HerausgeberInnengremium verlassen hatte, musste es sich neu formieren. Zu den beiden verbleibenden HerausgeberInnen Christiane Caemmerer und Walter Delabar, die InterLit seit 1999 gemeinsam mit Marion Schulz und zeitweise mit Elke Ramm betreut hatten, trat nach deren Ausscheiden Helga Meise in die Herausgeberschaft ein.
Der Reihentitel wurde um den Untertitel „Studien zu Literatur und Geschlecht“ ergänzt und die Reihe stärker für Studien zu anderen Literaturen und anderen Zeiträumen geöffnet.